Gott huckepack

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»Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.« / Sacharja 9,9a

So heißt es in der ersten Adventswoche. Langsam scheint es heller zu werden, mit jeder Kerze. Hilfe naht, so ruft es der Advent. Und mit dem Wissen um den Fortgang der Erzählung können wir dem sogar glauben: Es kommt jemand, sich um uns zu kümmern. Königlich – er will es nicht nur, er kann es sogar, hat die Macht dazu und gebraucht sie gerecht und fürsorglich.

Das klingt toll. Fast zu toll und superheld:innenmäßig. Allerdings ist im Wochenspruch etwas ausgelassen. Es fehlt der zweite Teil des Verses, der so schön zum Bild aus der Predigt am Sonntag* passt: „… arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.“ Diese königliche Gestalt kommt nicht in Macht und Herrlichkeit, sondern arm und so gar nicht standesgemäß. Dieser Helfer muss getragen werden, oder noch näher an der hebräischen Sprache: Diesem Helfer muss selbst geholfen werden. Er ist eigentlich (genau übersetzt) einer, dem geholfen wurde**.

Mir gibt das sogar noch mehr Hoffnung, als wenn der Advent die Ankunft eines neuen Superhelden wäre – denn das würde einfach nicht passen. Nicht zu dem Gott, an den ich glaube. Auch nicht zu dem Leben, das ich erlebe. Da geht die Gerechtigkeit in kleinen Schritten voran, die Hilfe müht sich manchmal auf einem Esel herbei. Aber sie kommt – und das ist entscheidend. Wir hoffen darauf, dass sie kommt und jubeln mit denen, die sie erlebt haben; klagen mit denen, die schon viel zu lange warten; sehnen uns mit denen, die so dringend Hilfe nötig haben.

Advent geht Schritt für Schritt … lasst uns erwartungsvoll mitgehen.


* Zur Predigt von Sonntag: https://www.feg-fischbacherberg.de/zacharias-singt-ein-vorspiel/
** Siehe Andacht zum 1. Advent von Ralph van Doorn: https://adventskalenderevkirchenkreissiegen.blogspot.com/2020/11/29-november-1-advent-einer-dem-geholfen.html